Elektrotherapie

Elektrotherapie ist dosierter Stromfluss durch den Menschen mit therapeutischer Zielsetzung. Während früher überwiegend empirische „Beweise“ zur Wirksamkeit vorlagen, kennen wir heute wissenschaftlich fundierte Wirkmechanismen der verschiedenen Stromformen. Die befundorientierte Wahl der optimalen Elektrotherapie richtet sich nach folgenden wesentlichen Wirkprinzipien:

1. Die Polarisation von Zellmembranen und die Veränderung des lonenmilieus in Membrannähe (Wirkprinzip der Galvanisation).

2. Auslösung von Aktionspotentialen an der Membran von Nerven- und Muskelfasern mit geeigneten Impuls- oder Reizströmen. Bei Reizung afferenter Fasern entstehen sensible Empfindungen, bei efferenter Reizung kommt es zur Muskelstimulation.

3. Hochfrequente elektrische Impulse (oberhalb von einigen 1 00 kHz) haben keinerlei direkte Wirkung, weder sensibel noch motorisch. Deshalb können beliebig hohe Stromdichten ohne Wahrnehmung fließen, so dass die bei Stromfluss immer freiwerdende Wärme therapeutisch nutzbar wird.

Die drei therapeutischen Zielsetzungen der Elektrotherapie, nämlich Analgesie, Muskelstimulation und Gewebeerwärmung leiten sich unmittelbar aus diesen Wirkprinzipien ab. Andere angebliche Wirkungen, wie hyperämisierend, antiphlogistisch oder antiödematös, wurden früher öfters in den Vordergrund gestellt. Sie können jedoch nicht als direkte Wirkungen des Stromflusses verstanden werden und sind somit niemals das primäre Therapieziel, jedoch durchaus willkommen, sofern sie auftreten.

Die verschiedenen Stromformen lassen sich drei Gruppen zuordnen:

Die Galvanisation oder Behandlung mit Gleichstrom wirkt niemals muskelstimulierend, das therapeutische Ziel ist immer die Schmerzdämpfung. Indikationen sind eher ausgedehnte Weichteilschmerzen unterschiedlicher Genese, vorwiegend akut-subchronisch (Ischialgien, vertebragene Brachialgien, Fibromyalgien etc.); die Applikation ist eine Volumendurchströmung mit eher großflächigen Elektroden. Anwendungsvarianten sind die lontophorese und die hydrogalvanischen Vierzellen- und Stangerbäder.

Niederfrequente Reizströme (unterhalb 1.000 Hz) wirken analgetisch (afferente Reizung) und/oder muskelstimulierend (efferente Reizung); mittelfrequente Ströme vorwiegend muskelstimulierend. Es gibt eine Vielzahl von Varianten, z. B. die transkutane elektrische Nervenstimulation (JENS), diadynamische Ströme und mittelfrequente lnterferenzströme. Indikationen sind der Folie zu entnehmen.

Die Behandlung mit hochfrequenten elektromagnetischen Feldern und Wellen (Hochfrequenztherapie) dient der Erwärmung tieferliegender Gewebe bei Vermeidung übermäßiger Hautbelastung. Das Gebiet der maximalen Erwärmung liegt dabei in nur wenigen Millimetern Gewebetiefe, was jedoch gegenüber oberflächlicher Erwärmung (Packungen, Wickel) bereits ein großer Vorteil ist. Wirkungen einer moderaten Erwärmung von Kapseln, Bändern, Sehnen und Muskeln sind verbesserte Dehnbarkeit, Verformbarkeit und Reißfestigkeit dieser Gewebe und eine thermoregulatorisch bedingte Muskelerschlaffung. Daraus lassen sich die Indikationsbereiche wie hypertone, verkürzte, (reflex-)dystrophe Muskulatur oder überlastungsbedingte, chronisch-mesenchymale Entzündungszustände von Kapseln, Bändern und Muskel-Sehnen- bzw. Sehnen-Periost-Übergängen ableiten.

Texte aus:
Leistungsangebot Physikalische Therapie, Physiotherapie von: GESUNDHEITS-DIALOG Verlag GmbH, Postfach 89, 82033 Oberhaching